Das Weihnachtsfest ist immer wieder ein besonderes Ereignis. Ein bunt geschmückter Tannenbaum, hell leuchtende Kerzen in den Fenstern und an Heiligabend gibt es die Bescherung. Weihnachten ohne Geschenke können wir uns gar nicht vorstellen. Doch leider ist dies für viele Kinder in anderen Ländern Realität. Sie haben keine Eltern mehr oder ihre Eltern sind sehr arm und können es sich nicht leisten, ihnen Geschenke zu machen. Deshalb hat ADRA auch im vergangenen Jahr zahlreiche Pakete mit Spielsachen, Süßigkeiten und anderen guten Dingen an Kinder in Osteuropa verteilt.
Da stand ich nun und zehn Augenpaare sahen mich erwartungsvoll an. Begleitet von zwei Kollegen befand ich mich in einem kleinen Häuschen am Stadtrand von Chisinau. Hier, in der Hauptstand von Moldawien, brachte ich acht Kindern ein Geschenk zu Weihnachten. Ihre Mama und Oma waren genauso gespannt. Elie, der jüngste Sohn, versteckte sich hinter seinem großen Bruder. Auch einer seiner sechs Schwestern war nicht geheuer, was hier passierte. Die anderen schauten erst recht schüchtern, wurden dann aber mutiger. Sie spielten schließlich fröhlich auf dem verstimmten Klavier, dem auch ein paar Tasten fehlten. Auch das Aufsagen von Gedichten gehört in Moldawien einfach zu Weihnachten. Als sie endlich die Geschenke in den Händen hatten, wussten sie zuerst nicht, was sie machen sollten. Sie standen wieder schüchtern in dem kleinen Zimmer.
Wir ermunterten sie, doch einfach auszupacken. Und dann ging es los! Es wurde in den Paketen gegraben und den Geschwistern über die Schulter geschaut. Dann sah ich, wie eine der größeren Schwestern ganz selbstverständlich ein Plüschtier zu ihrem jüngstens Bruder ins Paket legte. Die anderen machten sich in der Zeit über eine Packung Kekse her. Mama Nadia kämpfte mit den Tränen, als sie die Freude ihrer Kinder sah. Noch vor kurzer Zeit ging es der Familie besser – bis der Vater einfach verschwand. Noch einige Jahre früher hatte Nadia in einem Orchester gespielt. Und auch wenn sie jetzt sehr arm sind, hat sie einigen ihrer Kinder Klavier spielen beigebracht. Nun aber müssen sie zu zehnt von der Rente der Oma leben, in deren Häuschen sie wohnen. Die acht Kinder teilen sich das kleine ordentliche Zimmer, in welchem wir standen und schlafen dort zusammen in drei Betten und auf einem Sofa. Sie erzählten uns, dass sie ab und zu sie eine Spende bekommen, die ihnen eine Weile hilft, aber die Not schaute aus allen Ritzen. Selbst mein Kollege von ADRA Moldawien meinte nur: „Es ist so nah an unserem ADRA-Büro und wir wussten nicht, dass es hier so arme Familien gibt.“ Die Oma war ganz aufgeregt. Sie lief, so schnell sie konnte, in ihre winzige Kammer und holte Bilder hervor, die mehr als 100 Jahre alt waren. Sie wollte uns so viel erzählen, aber wir hatten keine Zeit mehr. Wir mussten weiter zu den nächsten Kindern. Als wir dann die Tür hinter uns zu zogen, blickte ich noch einmal zurück. Die überglückliche Oma ging zu ihren Enkeln, die sich wieder ihren Geschenkpaketen widmeten und eifrig alles zum zweiten oder dritten Mal auspackten.
Und schon waren wir wieder unterwegs. Im ADRA-Kinderheim etwas außerhalb der Stadt gaben wir ebenfalls Pakete ab. Auch auf der Kinderstation im Krankenhaus von Hincesti, einer kleinen Stadt etwa 25 Kilometer von Chisinau entfernt, warteten etwa 35 Kinder auf ein Geschenk. Die Leiterin der Station meinte: „Vorher haben die Mütter gejammert, dass sie ausgerechnet Weihnachten im Krankenhaus verbringen müssen. Jetzt freuen sie sich, weil ihre Kinder ein Geschenk bekommen haben.“ In einem anderen Dorf hatte eine Gruppe Jugendlicher ein Weihnachtsprogramm einstudiert, bevor die Pakete verteilt wurden.
Ich könnte noch viel mehr erzählen, muss aber einfach aufhören. Insgesamt konnten meine Kollegen und ich mehr als 4 000 Kindern ein Paket von den Kindern aus Baden-Württemberg überreichen. Auch aus Österreich kamen noch einmal 6 000 Pakete dazu. Die Kinder lassen euch alle ganz herzlich grüßen. Sie freuen sich, dass jetzt im Sommer ADRA mehr für die Kinder in Moldawien tun möchte – darüber berichten wir bald auf unserer Homepage. Und das geht nur, weil Ihr so fleißig 5 Euro zu Eurem Paket dazu gegeben habt. Ganz, ganz herzlichen Dank dafür!
Eure Anja
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