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Ob die Geschenke reichen?


Zwischen den Ländern Serbien und Montenegro herrschte lange Zeit Krieg, der den Menschen viel Leid und Trauer brachte. Am meisten leiden darunter immer die Kinder. Viele von ihnen leben in riesigen Flüchtlingslagern und haben nicht einmal ein richtiges Dach über dem Kopf. In manchen Flüchtlingslagern gibt es nur eine einzige Toilette für einhundert Menschen. In anderen lebt im Durchschnitt eine Person auf einem Quadratmeter. Unsere Betten hier in Deutschland sind meistens zwei Quadratmeter groß – könntest Du Dir vorstellen, den ganzen Tag zu zweit in Deinem Bett zu verbringen? Dabei haben es die Kinder in solchen Flüchtlingslagern nicht einmal so kuschelig und warm wie wir in unseren Betten.

Viele Kinder in Serbien wachsen in ärmlichsten Verhältnissen auf: Unterhalb der Armutsgrenze, viele ohne Eltern und fast alle ohne Chance auf ein besseres Leben. Manche Kinder leben auch in Krankenhäuser oder Waisenheimen. Die Krankenhäuser in Serbien sind leider in keinem so guten Zustand wie die in Deutschland, sondern sehr stark heruntergekommen. Deshalb ist die medizinische Versorgung der Kinder dort sehr schlecht.

Leider bekommen sie nicht einmal Geschenke zu Weihnachten. Deshalb haben wir mit unserer „Aktion Kinder helfen Kindern“ auch im Jahr 2008 einigen Kindern aus Serbien eine Freude bereiten können. Zum Beispiel in dem Bergdorf Bratljevo. Dort haben wir Eure Pakete in einer kleinen Schule verteilt. Hierher kommen jeden Tag 25 Schüler und nehmen dafür lange Fußwege in Kauf. Ein Kind wohnt sage und schreibe 13 Kilometer von der Schule entfernt. Zum Glück gibt es ein Gesetz in Serbien, welches vorschreibt, dass jedes Kind mit einem Schulweg von mehr als vier Kilometern vom Schulbus abgeholt werden muss. Da es in Bratljevo keinen Schulbus gibt, macht das der Direktor persönlich. Jeden Morgen fährt er um sechs Uhr los, um seine Schüler einzusammeln.
In der Schule gibt es nur einen kleinen Ofen pro Klasenzimmer um den sich die Kinder nach ihrem langen Weg scharen. Trotzdem nehmen sie all dies auf sich, nur um zur Schule gehen zu können. Ist das nicht toll? Natürlich sind auch an Weihnachten alle versammelt. Die Schüler führen das Stück „Rotkäppchen“ auf und danach verteilt der Weihnachtsmann die Geschenke. Sie wollen unbedingt mit uns und ihren Päckchen fotografiert werden, bevor sie sich erwartungsvoll ans Auspacken machen. Jeder findet in seinem Paket etwas, das er für die Schule gebrauchen kann. Das freut die Kinder natürlich am meisten. Und so gehen am Ende des Tages alle glücklich mit ihren Eltern durch den kalten Schnee nach Hause und finden: Dieser Tag hat sich richtig gelohnt!

Auch in der Kleinstadt Paracin verlassen uns später alle Kinder mit zufriedenen Gesichtern. Fast 200 haben sich im örtlichen Theater versammelt. Darunter sind Kinder von Flüchtlingsfamilien, Roma, Vertriebene, Waisen und Kinder mit Behinderungen. Mit so vielen aufgeregten Mädchen und Jungen­ hatte in Paracin aber offensichtlich niemand gerechnet, denn das Theater platzte aus allen Nähten. Nicht jeder fand Platz, und so musste eine Familie mit neun Kindern vor der Tür warten.

Sie haben kein eigenes Haus und keine Arbeit. Alles was ihnen gehört, ist das eigene Leben. Die ganze Familie kam zu Fuß zwölf Kilometer aus einem Flüchtlingslager in Popovac. Der Hauptorganisator der Weihnachtsfeier war selbst Flüchtling gewesen. Er hatte Mitleid mit der Familie und ließ sie herein. Die Mutter war so gerührt, dass sie in Tränen ausbrach, aber sie wartete weiterhin vor der Tür. Wahrscheinlich wollte sie nicht, dass man sie weinen sah. Jedes ihrer Kinder bekam ein Geschenk und sie hielten diese ganz fest an ihre kleinen Körper gedrückt, als sie sich wieder auf den langen Heimweg machten.

Im Theater führten zwei Schulklassen ein schönes Programm auf. Die Geschenke standen die ganze Zeit über auf der Bühne und wurden begeistert angesehen. Dann war es endlich soweit: Es gab ein kleines Gedränge, denn zur Bühne führte nur eine schmale Treppe und die Kinder hatten Angst, dass nicht genug Geschenke für alle da sein würden. Die Päckchen reichten aber, und so saß nachher jedes Kind mit einem Geschenk im Vorraum oder auf der Straße. Denn zum Auspacken war im Theater nun wirklich kein Platz mehr. Und was es da alles auszupacken gab! Alles wurde erstaunt betrachtet, dreimal umgedreht und den Freunden gezeigt und gleich gemeinsam ausprobiert. Glücklich ging es dann für alle wieder nach Hause.

So oder so ähnlich muss es auch allen anderen Kindern ergangen sein, denen wir eins Eurer Pakete aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen überreichten. Insgesamt konnten sich 9 450 Kinder über ein Geschenk freuen. Wir hoffen, dass es im nächsten Jahr mit Eurer Hilfe wieder genauso viele sein werden.